Von außen sehen.
Das Innere verstehen.
Vergleiche drei Ansichten desselben Bauteils, blende verdeckte Kanten ein und öffne einen Schnitt durch die Bohrung.
Vermute zuerst: Welche Ansicht unterscheidet ein Durchgangsloch von einem Sackloch am deutlichsten?
Drei Blicke auf dasselbe Teil
Das Modell ist 80 mm lang, 50 mm tief und 40 mm hoch. Eine senkrechte Bohrung liegt 50 mm vom linken Rand und mittig in der Tiefe bei 25 mm. Die Ansichten zeigen dieselbe Geometrie aus verschiedenen Blickrichtungen.
Vorderansicht: Zeigt Länge und Höhe. Draufsicht: Zeigt Länge und Tiefe, hier mit kreisförmiger Bohrungsöffnung. Seitenansicht von rechts: Zeigt Tiefe und Höhe.
Verwendet wird ausdrücklich Projektionsmethode 1: Die Draufsicht liegt unter der Vorderansicht; die Ansicht von rechts liegt links davon. Bei anderen Projektionsmethoden kann die Anordnung anders sein. Deshalb Projektionsangabe und Blickrichtung prüfen.
Linien haben unterschiedliche Aufgaben
Durchgezogene Konturen zeigen sichtbare Kanten. Gestrichelte Linien zeigen verdeckte Kanten. Dünne Strichpunktlinien markieren hier die Bohrungsachsen. Eine Achse ist keine zusätzliche Materialkante.
In Vorder- und Seitenansicht erkennt man mit verdeckten Kanten die Tiefe eines Sacklochs. Die Draufsicht allein zeigt im Modell bei beiden Bohrungen denselben Öffnungskreis. Fehlen nötige Angaben, darf die nicht sichtbare Form nicht erraten werden.
Der Sacklochgrund ist im Modell zur Übersicht flach. Eine konventionell gebohrte Sacklochbohrung hat häufig eine Bohrspitze; zylindrisch nutzbare Tiefe und Gesamttiefe sind dann zu unterscheiden.
Ein Schnitt ist eine gedachte Öffnung
Die senkrecht stehende Schnittebene A–A enthält die Bohrungsachse und liegt parallel zur Vorderansicht. Man denkt sich den davorliegenden Teil entfernt. Die Schraffur kennzeichnet Material, das die Schnittebene tatsächlich trifft. Der Hohlraum der Bohrung bleibt frei.
Beim Durchgangsloch läuft dieser freie Bereich von oben bis unten. Beim Sackloch bleibt unter dem Lochgrund Material stehen. Das lässt sich im Schnitt direkt erkennen. Eine neue Ansicht ist damit keine Änderung am wirklichen Bauteil.
Im Schnitt werden unnötige verdeckte Linien weggelassen. Andere Bauteile und besondere Schnittregeln benötigen zusätzliche Betrachtung; hier wird ein einzelner massiver Körper gezeigt.
Maß, Toleranz und Oberfläche zusammen lesen
Form- und Lagetoleranzen mit Symbolen und Toleranzrahmen lesen – Messen & Prüfen · Rookie bis Profi →
Ø20 bezeichnet einen Durchmesser von 20 mm. Die Lage der Bohrung und ihre Tiefe benötigen eigene Angaben. Die Bezugskante ist wichtig: 50 mm von links bedeutet bei 80 mm Gesamtlänge 30 mm von rechts.
Eine Toleranz legt die zulässige Maßabweichung fest. Rauheit beschreibt dagegen kleine Unebenheiten einer Oberfläche. Beides ist verschieden: Ein Teil kann maßlich passen und dennoch eine ungeeignete Oberfläche besitzen.
Die vereinfachte Lernangabe Ra ≤ 3,2 µm meint hier eine obere Grenze für den arithmetischen Mittenrauwert. Sie ist weder eine Angabe des Bohrungsdurchmessers noch der maximalen einzelnen Riefentiefe. Eine vollständige Fertigungszeichnung braucht die passende Oberflächenspezifikation und Messbedingungen.
Maße und Bezüge im Grundlagenmodul üben → · Grenzmaße vergleichen →
Aus der Zeichnung werden Koordinaten: X und Y aus der Draufsicht, Z aus der Vorderansicht. Von Grund auf üben: Koordinaten verstehen · Rookie bis Profi →
Sondersymbole der Maßeintragung
Ein Zeichen vor der Maßzahl sagt, was gemeint ist – so spart die Zeichnung eine Ansicht oder ein zweites Maß. Die wichtigsten Zeichen nach ISO 129:
| Zeichen | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Ø | Durchmesser – das Maß gilt für einen runden Querschnitt, auch wenn er in dieser Ansicht nicht rund aussieht. | Ø20 = Bohrung oder Welle mit 20 mm Durchmesser |
| R | Radius – Maßlinie vom Mittelpunkt zum Bogen, nur eine Pfeilspitze (am Bogen). | R5 = Rundung mit 5 mm Radius |
| SØ, SR | Kugeldurchmesser bzw. Kugelradius (S für Sphäre). | SØ30 = Kugelkopf mit 30 mm Durchmesser |
| □ | Quadrat – der Querschnitt ist quadratisch, ein Maß genügt für beide Seiten. | □16 = Vierkant 16 × 16 mm |
| Länge × Winkel | Fase – abgeschrägte Kante; bei 45° genügt eine Angabe, sonst zwei Maße. | 1×45° = Fase 1 mm lang unter 45° |
| ⌵ Ø × Winkel | Kegelige Senkung, etwa für eine Senkschraube; ⌴ mit Tiefe ist die Flachsenkung für Zylinderkopfschrauben. | ⌵ Ø10×90° |
| ↧ | Tiefe – so lässt sich eine Sacklochbohrung in einer Ansicht bemaßen. | Ø8 ↧15 = Bohrung Ø8, 15 mm tief |
| M | Metrisches Gewinde – die Zahl ist der Nenn-(Außen-)durchmesser. Außengewinde: breite Außen-, schmale Kernlinie; Innengewinde umgekehrt: breite Kern-, schmale Außenlinie. | M12 = Gewinde mit 12 mm Außendurchmesser |
| Maß im Rechteck | Theoretisch genaues Maß – ohne eigene Toleranz; die Abweichung regelt der Toleranzrahmen (meist Position). | 30 dazu Position Ø 0,2 A B |
Üben: Bilderquiz · Zeichnungssymbole → · Toleranzklassen wie H7 erklärt der Passungen-Lernweg →
Sechs Aufgaben: Verstehen, Anwenden und Übertragen. Die Runde und die Modellwerte bleiben nur auf dieser geöffneten Seite.