Sicherheit · verstehen und anwenden

Schweißen, Löten & Trennen sicher

Strahlung, Schweißrauch, Feuerarbeiten, Schweißstrom, Trennschleifen sowie heiße Teile, Flussmittel und Klebstoffe sicher beherrschen.

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Verstehen & handeln

Lichtbogen und Flamme: Augen und Haut schützen

Der Lichtbogen strahlt stark im ultravioletten und infraroten Bereich. Ungeschützte Augen „verblitzen“: Die UV-Strahlung entzündet Horn- und Bindehaut, die Schmerzen kommen erst Stunden später. Dann nicht reiben, melden und zum Augenarzt. Ungeschützte Haut bekommt in Minuten einen „Sonnenbrand“.

Wofür brauche ich das?

Damit du beim Schweißen und beim Zuschauen die richtige Schutzstufe wählst und nicht auf Dauer deine Augen schädigst.

Praxisbeispiel

Ein Lehrling hält beim Heften nur die Hand vor die Augen, „weil es nur kurz ist“. Abends tränen die Augen, sie fühlen sich an wie voller Sand – Verblitzung. Der Schweißhelm hätte das verhindert.

So denkst du die Situation durch

  1. Schweißhelm oder Schutzschild mit passender Schutzstufe (E-Hand/MAG etwa Stufe 10–13 je nach Strom; bei WIG wegen kleinerer Ströme oft etwas niedriger – die Stufe richtet sich immer nach der Stromstärke, auch WIG strahlt stark UV) – Automatikhelme richtig einstellen.
  2. Gasschweißen, Hartlöten mit der Flamme und Brennschneiden: Schutzbrille mit Schweißerschutzfilter (etwa Stufe 4–7 je nach Gasmenge, laut Betriebsanweisung) – eine klare Schutzbrille reicht nicht.
  3. Haut bedecken: Schweißerjacke oder schwer entflammbare Kleidung, Stulpenhandschuhe, geschlossener Kragen, keine Kunstfaser.
  4. Nachbarplätze mit Schweißvorhängen abschirmen; Zuschauer tragen ebenfalls Schutz.
  5. Beim Schleifen und Schlackeklopfen Schutzbrille unter dem Helm – Splitter fliegen auch mit hochgeklapptem Helm.

Typischer Fehler: Mit heruntergeklapptem Helm nur schweißen, aber beim Schleifen oder beim Zuschauen am Nachbarplatz ohne Schutz bleiben.

Warum tut das Verblitzen erst Stunden nach dem Schweißen weh?

Die UV-Strahlung schädigt die Hornhautzellen, die Entzündung entwickelt sich zeitverzögert. Deshalb merkt man den Fehler nicht sofort – Schutz ist von der ersten Sekunde an nötig.

Verstehen & handeln

Schweißrauch und Lötdämpfe: absaugen statt einatmen

Schweißrauch besteht aus feinsten Metalloxid-Partikeln und Gasen (Ozon, Stickoxide); je nach Werkstoff sind Chrom, Nickel, Mangan oder Zink dabei. Lötdämpfe enthalten verbrannte Flussmittel. Beides reizt die Atemwege; Schweißrauch gilt insgesamt als krebserzeugend, Lötrauch aus Kolophonium-Flussmittel kann Allergien und Asthma auslösen.

Wofür brauche ich das?

Damit du Absaugung und Lüftung richtig einsetzt und beschichtete oder verzinkte Teile nicht ungeschützt schweißt.

Praxisbeispiel

Verzinktes Rohr wird ohne Absaugung geschweißt: Am Abend hat der Lehrling Fieber und Schüttelfrost – Zinkfieber. Mit Absaugung an der Entstehungsstelle und Abtragen der Zinkschicht wäre das nicht passiert.

So denkst du die Situation durch

  1. Absaugung möglichst nah an der Entstehungsstelle (Brennerabsaugung, Absaugarm 20–30 cm über der Naht nachführen).
  2. Beschichtungen (Zink, Farbe, Öl) im Nahtbereich vorher entfernen; bei Edelstahl oder verzinktem Stahl zusätzlich Atemschutz nach Betriebsanweisung. In engen Räumen und Behältern: technische Lüftung, nie mit Sauerstoff belüften, Gasflaschen draußen lassen – Schutzgase verdrängen den Sauerstoff, dagegen hilft keine Filtermaske; nur mit Sicherungsposten.
  3. Kopf nicht in die Rauchfahne halten; Lüftung einschalten, bevor die Arbeit beginnt.
  4. Beim Löten: Lötrauchabsaugung oder zumindest Lüftung, nicht über die Lötstelle beugen; nach dem Löten Hände waschen.

Typischer Fehler: Die Absaugung „zu laut“ finden und ausschalten – oder den Absaugarm so weit weg stellen, dass er nichts mehr erfasst.

Warum ist die Absaugung an der Entstehungsstelle wirksamer als ein offenes Fenster?

Rauch steigt in der Atemzone des Schweißers auf; ein Fenster verdünnt ihn nur. Die Absaugung direkt an der Naht erfasst die Partikel, bevor sie eingeatmet werden.

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Feuerarbeiten: Brandschutz vor, während und nach der Arbeit

Schweißen, Brennschneiden, Trennschleifen und Löten mit der Flamme sind Feuerarbeiten: Funken fliegen oft viele Meter weit (Richtwert rund 10 m, nach unten noch weiter), Schlacke bleibt lange heiß, Wärme leitet durch Wände und Rohre. Brände entstehen oft erst Stunden später aus Glutnestern.

Wofür brauche ich das?

Damit du eine Feuerarbeit richtig vorbereitest, absicherst und nach dem Ende nicht zu früh gehst.

Praxisbeispiel

Beim Trennschleifen an einem Regal landen Funken in einem Karton mit Putzlappen drei Meter weiter. Der Brand wird erst in der Pause bemerkt. Abdecken, wegräumen und ein Feuerlöscher in Reichweite hätten genügt.

So denkst du die Situation durch

  1. Im Umkreis (als Richtwert rund 10 m, bei Arbeiten in der Höhe noch weiter) Brennbares entfernen oder mit Schweißdecken abdecken; Öffnungen, Rohrdurchführungen und Rinnen beachten. Den genauen Bereich legt der Betrieb bzw. der Erlaubnisschein fest.
  2. Löschmittel (Feuerlöscher, Löschdecke, Wassereimer) bereitstellen und bedienen können; Fluchtweg frei.
  3. Außerhalb der Schweißwerkstatt: Erlaubnisschein für Feuerarbeiten einholen, Brandwache während und nach der Arbeit (Nachkontrolle laut Erlaubnisschein, oft mehrere Stunden).
  4. Gasflaschen: gegen Umfallen sichern, Ventilschutzkappe beim Transport, Acetylen stehend, kein Öl oder Fett an Sauerstoffarmaturen; Rückschlagsicherungen prüfen.

Typischer Fehler: Löschmittel „irgendwo im Gang“ wissen, statt es neben den Arbeitsplatz zu stellen – und nach der letzten Naht sofort Feierabend machen.

Warum reicht es nicht, nach dem Ende der Feuerarbeit kurz zu schauen, ob es brennt?

Glutnester in Dämmstoffen, Holz oder Staub schwelen unsichtbar und brechen oft erst Stunden später aus. Deshalb Brandwache mit Nachkontrolle, wie die Erlaubnis es vorgibt.

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Strom beim Schweißen: Leerlaufspannung, Masse, Nässe

Schweißstromquellen liefern am Elektrodenhalter die Leerlaufspannung, meist 40–80 V. Das klingt wenig, kann bei Wechselspannung aber schon über 50 V liegen – dem üblichen Grenzwert für die dauernd zulässige Berührungsspannung unter normalen Bedingungen. Bei Nässe, Schweiß, Metallkontakt am ganzen Körper oder in engen Räumen reicht das für einen gefährlichen Stromschlag. Gleichzeitig fließen über die Masseklemme hunderte Ampere.

Wofür brauche ich das?

Damit du Elektrodenhalter, Masseanschluss und Kabel so handhabst, dass kein Strom über dich fließt und nichts unbeabsichtigt heiß wird.

Praxisbeispiel

Die Masseklemme hängt am Maschinengestell statt am Werkstück. Der Strom sucht sich den Weg über ein Lager und ein Kabel – das Lager ist danach angeschweißt, das Kabel verschmort.

So denkst du die Situation durch

  1. Masseklemme direkt und blank am Werkstück nahe der Naht – nie über Lager, Ketten, Drahtseile oder Schutzleiter.
  2. Trockene, unbeschädigte Handschuhe und Kleidung; Kabel und Elektrodenhalter auf Risse prüfen; defekte Kabel sofort tauschen.
  3. In engen, leitfähigen Räumen (Behälter, Rohre) nur Stromquellen mit dem Kennzeichen S und zusätzlicher Isolierung, nie allein arbeiten.
  4. Elektrodenhalter nur isoliert ablegen; Stromquelle bei Pausen abschalten; an elektronischen Geräten erst die Masse nah setzen (Steuerungen trennen).

Typischer Fehler: Mit nassen Handschuhen die Elektrode wechseln oder den Elektrodenhalter auf dem Werkstück ablegen, während die Stromquelle läuft.

Warum muss die Masseklemme so nah wie möglich an der Schweißstelle sitzen?

Der Schweißstrom nimmt sonst Umwege über Lager, Seile oder Erdungsleiter, die dafür nicht ausgelegt sind: Sie erhitzen sich, werden beschädigt oder verschweißen – und Strom kann über den Körper fließen.

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Trennschleifen und Schleifen: Scheibe, Haube, Funken

Beim Trennschleifen läuft der Scheibenrand mit bis zu 80 m/s (rund 290 km/h). Bricht sie oder verkantet sie, fliegen Bruchstücke mit dieser Geschwindigkeit; der Rückschlag reißt das Gerät aus der Hand. Funken sind glühende Stahlpartikel – sie zünden, durchdringen dünne Kleidung und verletzen Augen.

Wofür brauche ich das?

Damit du Scheibe, Schutzhaube und Körperhaltung so wählst, dass Scheibenbruch, Rückschlag und Funkenflug beherrscht bleiben.

Praxisbeispiel

Eine Trennscheibe wird zum Schleifen seitlich angesetzt, weil die Schruppscheibe gerade fehlt. Die dünne Scheibe reißt – ein Bruchstück trifft den Unterarm. Trennscheiben sind nur für den Rand, nie für die Fläche gemacht.

So denkst du die Situation durch

  1. Scheibe passend zu Gerät (max. Drehzahl, Durchmesser) und Werkstoff; Trennscheiben nur zum Trennen, Schruppscheiben zum Schleifen; abgelaufene oder beschädigte Scheiben entsorgen.
  2. Schutzhaube immer montiert und so gedreht, dass Funken vom Körper weg fliegen; Gerät mit beiden Händen führen (Zusatzhandgriff montiert), sicherer Stand, Werkstück gespannt.
  3. Schutzbrille plus Gesichtsschutz, Gehörschutz, enganliegende, schwer entflammbare Kleidung; Funkenflug auf Nachbarn und Brennbares beachten.
  4. Vor jedem Scheibenwechsel Netzstecker ziehen oder Akku entnehmen. Gerät nach dem Schnitt auslaufen lassen, nicht am Körper ablegen; nie auf die Scheibe drücken, das Gerät arbeiten lassen.

Typischer Fehler: Die Schutzhaube abbauen, „weil sie im Weg ist“, oder eine Scheibe ohne zu prüfen aufsetzen, ob sie zum Drehzahlbereich und Durchmesser des Geräts passt.

Warum darf eine Trennscheibe nicht zum Schleifen mit der Fläche benutzt werden?

Trennscheiben sind dünn und nur auf Kräfte am Umfang ausgelegt. Seitlicher Druck biegt und zerreißt sie – die Bruchstücke fliegen mit bis zu 80 m/s (rund 290 km/h).

Verstehen & handeln

Heiße Teile, Flussmittel und Klebstoffe

Nach dem Fügen bleiben Teile lange heiß – an der Farbe erkennst du das nicht sicher: Stahl glüht erst ab etwa 500 °C sichtbar, eine graue Naht kann also noch mehrere hundert Grad haben. Flussmittel für das Hartlöten enthalten oft Fluoride und Borverbindungen, Klebstoffe und Reiniger Lösemittel, Härter oder Cyanacrylat, das Haut in Sekunden verklebt.

Wofür brauche ich das?

Damit du Verbrennungen, Reizungen und Augenverletzungen beim Löten, Kleben und Nachbearbeiten vermeidest.

Praxisbeispiel

Ein frisch gelötetes Kupferfitting wird zum Prüfen „kurz“ mit bloßer Hand angefasst: Verbrennung zweiten Grades. Sofort etwa 20 Minuten unter fließendem, kühlem – nicht eiskaltem – Wasser kühlen, Ersthelfer:in holen und melden. Die Zange lag daneben.

So denkst du die Situation durch

  1. Heiße Teile mit Zange greifen, auf Stein oder Stahl ablegen, sichtbar markieren („HEISS“) oder abkühlen lassen; Lötspitze nur in die Ablage.
  2. Sicherheitsdatenblatt und Etikett von Flussmittel, Lot, Klebstoff und Reiniger lesen: Handschuhe aus dem dort genannten Material (Nitril passt nicht für jedes Lösemittel), Schutzbrille, Lüftung oder Absaugung wie vorgegeben.
  3. Cyanacrylat: Augen und Haut schützen, verklebte Haut nicht gewaltsam trennen, sondern mit warmem Seifenwasser lösen; Augenkontakt ist ein Fall für den Arzt.
  4. Cadmiumhaltige Hartlote sind in der EU bis auf wenige Sonderanwendungen verboten, bleihaltiges Lot an Trinkwasserleitungen ebenso; nach Löt- und Klebearbeiten Hände waschen, nicht am Arbeitsplatz essen.

Typischer Fehler: Flussmittelreste nicht abwaschen (Korrosion, Hautkontakt beim nächsten Anfassen) oder Sekundenkleber mit dem Finger verstreichen.

Wie erkennst du, ob ein gelötetes oder geschweißtes Teil noch zu heiß zum Anfassen ist?

Gar nicht sicher – auch eine graue Naht kann mehrere hundert Grad haben. Deshalb grundsätzlich Zange, Handschuhe oder Abkühlzeit, und heiße Teile für andere kennzeichnen.